Seit dem 28. Juni 2025 gilt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz. Es setzt eine EU-Richtlinie um und betrifft weite Teile des gewerblichen Angebots im Netz – nicht nur öffentliche Stellen, für die schon vorher Regeln galten.
Wen es betrifft
Erfasst sind unter anderem elektronischer Geschäftsverkehr, also Websites, über die Verbraucher Verträge abschließen können, sowie eine Reihe weiterer Dienstleistungen. Ausgenommen sind Kleinstunternehmen bei Dienstleistungen – definiert über weniger als zehn Beschäftigte und höchstens zwei Millionen Euro Jahresumsatz.
Diese Ausnahme wird häufig zu breit gelesen. Sie gilt nicht für Produkte, und sie entbindet nicht davon, dass Kundschaft eine unbedienbare Website trotzdem nicht bedienen kann. Wer unsicher ist, ob er erfasst ist, sollte das rechtlich klären lassen – hier steht kein Rechtsrat.
Der Maßstab
Praktisch orientiert sich die Umsetzung an den Web Content Accessibility Guidelines, Stufe AA. Das ist kein Gesetzestext, aber der Stand, an dem gemessen wird.
Was technisch zu tun ist
- Kontraste von mindestens 4,5:1 für normalen Text, 3:1 für große Schrift. Das ist der am häufigsten verletzte Punkt, meist wegen einer hellen Markenfarbe auf Weiß.
- Bedienbarkeit per Tastatur. Jede Funktion ohne Maus erreichbar, mit sichtbarem Fokus.
- Überschriftenhierarchie ohne Sprünge, eine H1 je Seite.
- Alternativtexte für Bilder, die Information tragen – und leere Alternativtexte für rein dekorative.
- Sprungmarke zum Hauptinhalt, damit Tastaturnutzer nicht durch die ganze Navigation müssen.
- Formularfelder mit verknüpfter Beschriftung, Fehlermeldungen nicht allein über Farbe.
Warum die Farbe der schwierigste Punkt ist
Markenfarben sind selten kontraststark. Ein freundliches Hellblau, das im Logo gut aussieht, liegt als Text auf Weiß oft bei 2,5:1 – deutlich unter der Anforderung. Der übliche Ausweg ist ein Kompromiss, mit dem niemand zufrieden ist.
Sauberer ist, zwei Varianten abzuleiten: eine dunklere für Text auf hellem Grund, die Originalfarbe für Flächen. Wenn das beim Bauen automatisch passiert, lässt sich die Markenfarbe frei wählen, ohne dass die Lesbarkeit davon abhängt. Genau so löst es dieses System.
Der Teil, der schwerer wiegt
Die technische Umsetzung ist in wenigen Tagen erledigt. Was länger dauert, ist die Redaktion: verständliche Sprache, sinnvolle Linktexte, Bilder mit brauchbaren Alternativtexten, Formulare mit Fehlermeldungen, die erklären, was zu tun ist.
Das ist keine Zusatzarbeit für eine Minderheit. Kurze Sätze, klare Linktexte und ordentliche Überschriften nützen allen – und sie sind, nebenbei bemerkt, exakt dieselben Anforderungen, die auch die Übernahme durch Sprachmodelle wahrscheinlicher machen.