Ein Systemwechsel ist der Moment, in dem man Sichtbarkeit verlieren kann, ohne dass jemand einen Fehler gemacht hat. Nicht wegen der neuen Technik, sondern weil Adressen sich ändern und Weiterleitungen unvollständig sind.
Vorher: die Bestandsaufnahme
Bevor irgendetwas gebaut wird, brauchen Sie zwei Listen.
Alle bestehenden Adressen. Aus der alten Sitemap, aus den Serverprotokollen der letzten Monate und aus der Search Console. Die Protokolle sind wichtig, weil dort Adressen auftauchen, die in keiner Sitemap stehen und trotzdem regelmäßig aufgerufen werden.
Die Seiten, die etwas bringen. Zugriffe, Verweise von außen, Positionen. Diese Liste entscheidet, worauf beim Umzug besonders zu achten ist – und welche Seiten man bei der Gelegenheit weglassen kann.
Die Reihenfolge
1. Adressstruktur festlegen
Wenn die neuen Adressen den alten entsprechen können, tun Sie das. Jede Änderung kostet eine Weiterleitung, und jede Weiterleitung ist eine Stelle, an der etwas schiefgehen kann. Eine schönere Struktur ist selten den Preis wert.
2. Auf einer Testadresse aufbauen
Inhalte übernehmen, bauen, prüfen – mit noindex und gesperrter robots.txt. Bei einem statischen System heißt das: Indexierungsschalter aus, und zwar bis zum Schluss.
3. Weiterleitungen schreiben, bevor umgeschaltet wird
Für jede alte Adresse eine dauerhafte Weiterleitung auf die neue. Nicht pauschal auf die Startseite – das ist der Fehler, der am meisten kostet. Wo es keine Entsprechung gibt, ist eine 404 ehrlicher als eine Weiterleitung auf etwas Unpassendes.
4. Umschalten und sofort prüfen
Zwanzig Adressen aus der Bestandsliste von Hand aufrufen. Kommt eine 200? Führt die Weiterleitung in einem Schritt zum Ziel oder über drei Stationen? Gibt es Schleifen?
5. Erst dann freigeben
Indexierungsschalter auf ein – und neu bauen. Bei einem statischen System ändert der Schalter allein nichts an den erzeugten Dateien; das noindex steht sonst weiterhin in jeder HTML-Datei. Danach Sitemap einreichen.
Was in den ersten Wochen normal ist
Schwankungen. Die Zahl indexierter Seiten geht kurz zurück, Positionen wackeln. Das legt sich meist innerhalb von zwei bis sechs Wochen, wenn die Weiterleitungen stimmen.
Was nicht normal ist: ein Rückgang, der nach acht Wochen anhält. Dann stimmt etwas an den Weiterleitungen, an den Canonicals oder an der Indexierbarkeit – und je länger man wartet, desto teurer wird die Suche.
Die Gelegenheit, die man nutzen sollte
Ein Umzug ist der einzige Moment, in dem sich Ballast ohne Diskussion entfernen lässt. Seiten, die seit Jahren niemand aufruft, die nichts beantworten und auf die nichts verweist, ziehen nicht mit um. Ein Portal mit zweihundert guten Seiten ist besser aufgestellt als eines mit zweitausend, von denen achtzehnhundert leer sind.
Diese Entscheidung fällt vorher leicht und hinterher schwer.