Der Begriff weckt eine falsche Vorstellung. Die meisten denken an geklaute Texte und eine Strafe von oben. Beides trifft selten zu: In der Praxis entsteht Duplicate Content im eigenen Haus, und die Folge ist keine Abstrafung, sondern eine Entscheidung, die jemand anderes trifft.
Was tatsächlich passiert
Liegt derselbe Inhalt unter mehreren Adressen, wählt die Suchmaschine eine davon als maßgeblich aus. Die übrigen werden als Alternativen geführt. Das ist keine Bestrafung – aber die gewählte Fassung ist oft nicht die, die man selbst bevorzugt hätte, und die Signale verteilen sich, statt sich zu bündeln.
Die fünf häufigsten Quellen
1. Protokoll und Vorsilbe
Eine Seite ist unter http und https erreichbar, mit und ohne www. Das sind vier Adressen für einen Inhalt, bevor irgendjemand etwas falsch gemacht hat.
2. Schrägstrich am Ende
Manche Systeme liefern eine Seite mit und ohne abschließenden Schrägstrich aus. Für den Server sind das zwei verschiedene Adressen.
3. Index-Adressen
Die Startseite unter der Domain, unter /index.html und unter /index.php. Dreimal derselbe Inhalt.
4. Parameter
Sortierung, Filter, Herkunftskennzeichen aus Kampagnen. Jeder Parameter erzeugt eine eigene Adresse, obwohl sich am Inhalt nichts ändert.
5. Themenseiten ohne eigene Daten
Der Fall, der wirklich inhaltlich ist: dreißig Ortsseiten mit identischem Text, in dem nur der Ortsname ausgetauscht wurde. Das ist keine technische Doppelung, sondern eine Doorway-Page.
Die Abhilfe
- Dauerhaft weiterleiten. Eine Vorzugsfassung festlegen und alle anderen per 301 darauf führen. Das erledigt die Fälle eins bis drei.
- Canonical setzen. Auf jeder Seite die maßgebliche Adresse angeben, vollständig und nicht relativ. Das fängt Parameter ab.
- Seiten ohne Daten unsichtbar lassen. Für Fall fünf hilft keine Technik, sondern eine Untergrenze.
Zwei Missverständnisse
Canonical ist kein Befehl. Es ist ein starker Hinweis, der ignoriert wird, wenn er der übrigen Struktur widerspricht – etwa wenn die angegebene Seite selbst auf noindex steht oder ganz woanders hinführt.
noindex und canonical zusammen ergeben keinen Sinn. Die eine Angabe sagt „nicht aufnehmen", die andere „nimm stattdessen jene". Wer beides setzt, erzeugt ein widersprüchliches Signal und ein zufälliges Ergebnis.
Die Probe
Rufen Sie Ihre Startseite in allen Varianten auf: mit und ohne www, mit und ohne Schrägstrich, mit /index.html, über http. Landen Sie jedes Mal auf derselben Adresse, und zwar über eine dauerhafte Weiterleitung, ist das Thema erledigt. Das dauert zwei Minuten und ersetzt jedes Prüfwerkzeug.