Ein Lexikon wirkt wie eine Fleißaufgabe: viele kleine Seiten, jede für sich unspektakulär. Genau darin liegt der Vorteil. Ein Blogbeitrag muss unterhalten, argumentieren und einen Bogen schlagen. Ein Lexikoneintrag muss eine Frage beantworten und dann aufhören.

Drei Gründe, die zusammenwirken

1. Interne Verlinkung ohne Zwang

Ohne Lexikon steht man in jedem Beitrag vor derselben Entscheidung: den Fachbegriff kurz erklären und den Lesefluss unterbrechen – oder ihn voraussetzen und einen Teil der Leser verlieren. Mit Lexikon verweist man einmal und schreibt weiter.

Der Nebeneffekt ist eine interne Verlinkung, die von selbst entsteht und inhaltlich begründet ist. Kein Verweisblock am Seitenende, sondern Verweise mitten im Text, mit einem Ankertext, der beschreibt, wohin er führt.

2. Die Form passt zur Übernahme

Sprachmodelle rufen Textabschnitte ab, keine Seiten. Ein Lexikoneintrag ist im Grunde nichts anderes als ein sauber abgegrenzter Abschnitt mit Überschrift: Kurzantwort, Fakten, Einordnung. Wer diese Form konsequent durchhält, produziert Material, das sich ohne Verfälschung herauslösen lässt.

Wichtig sind dabei die Aliase. Fachbegriffe laufen oft unter drei Namen – wer nur den eigenen Lieblingsbegriff auszeichnet, bleibt für alle anderen unsichtbar.

3. Der Pflegeaufwand bleibt beherrschbar

Ein Blogbeitrag von 2022 mit veralteten Zahlen ist mühsam zu aktualisieren: Man muss ihn lesen, verstehen, was noch stimmt, und dann umschreiben. Ein Lexikoneintrag hat vier Teile, von denen meist nur einer altert. Ein Prüfdatum je Eintrag macht außerdem sichtbar, was ansteht.

Woran ein Lexikon scheitert

  • Zu viele Einträge auf einmal. Dreißig sorgfältige Einträge sind mehr wert als dreihundert erzeugte. Automatisch befüllte Glossare erkennt man an Definitionen, die mit „Der Begriff bezeichnet“ beginnen und danach nichts Konkretes sagen.
  • Gekürzte Blogbeiträge. Wenn ein Eintrag argumentiert statt zu definieren, gehört er in den Blog.
  • Keine Primärquellen. Ein technischer Begriff ohne Verweis auf Norm, Gesetz oder Herstellerdokumentation ist eine Meinung.
  • Tote interne Verweise. Ein Lexikon, dessen „verwandte Begriffe“ ins Leere zeigen, ist schlechter als eines ohne Querverweise.

Womit man anfängt

Nicht mit dem Alphabet. Nehmen Sie die letzten zehn Beiträge Ihres Blogs und markieren Sie jeden Fachbegriff, den Sie dort erklärt haben. Das sind Ihre ersten Einträge – sie werden nachweislich gebraucht, weil Sie sie schon einmal erklären mussten.

Danach: die Begriffe, nach denen Ihre Kundschaft fragt. Die stehen in Ihrem E-Mail-Postfach, nicht in einem Suchvolumen-Werkzeug.

Umfang und Rhythmus

Zwei bis vier Einträge pro Woche sind realistisch, wenn nebenher noch gearbeitet wird. Nach einem halben Jahr steht ein Bestand, der trägt. Das klingt langsam, ist aber schneller als der übliche Weg, bei dem nach dem dritten Monat niemand mehr schreibt, weil jeder Beitrag zwei Tage kostet.